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Facelifting

Der dicke 7er-BMW gibt sich genügsam

Von Thomas Geiger
Veröffentlicht am 26.05.2012Lesedauer: 3 Minuten

Ganz schön nobel: Obwohl das Flaggschiff des Münchner Autobauers deutlich mehr PS hat, verbraucht die Limousine rund 20 Prozent weniger. Eine neue Motorentechnik des Sechszylinders macht es möglich.

Mehr Leistung bei weniger Verbrauch – die Zauberformel der Auto-Entwicklung macht auch vor dem Flaggschiff von BMW nicht halt. Wenn der 7er Ende Juli in die zweite Hälfte seines Lebenszyklus startet, kommen neue und überarbeitete Motoren zum Einsatz, die die Normwerte erheblich drücken können. Wegen der nahezu flächendeckend eingesetzten Start-Stopp-Funktion, der dann grundsätzlich serienmäßigen Achtgang-Automatik und einiger anderer Sparkniffe geht der Verbrauch der 7er-Reihe um bis zu 25 Prozent zurück. Der neue Diesel im 730d wird nach Norm mit 5,6 Litern auf 100 Kilometer zufrieden sein und schwingt sich damit auf zum genügsamsten Oberklasse-Modell der Republik.

Sechszylinder mit mehr Leistung

Dabei legt der drei Liter große Sechszylinder in der Leistung sogar ein wenig zu und steht jetzt mit 258 PS in der Liste. Im 740d kommt der gleiche Motor auf 313 statt bisher 306 PS, und dank der Entwicklungshilfe aus der M GmbH gibt es auch einen 750d mit 381 PS und dem gewaltigen Drehmoment von 740 Newtonmetern. Bei den Benzinern kommt an der Basis ein neuer Sechszylinder zum Einsatz, der im 740i ausnahmsweise etwas weniger leistet als zuvor.

Ab 74.900 Euro startet das Basismodell 730d. Das in puncto Leistung unveränderte Highend-Modell mit zwölf Zylindern 760Li liegt bei 147.900 Euro. Für den ActiveHybrid7 verlangt der Hersteller 89.300 Euro.

Verbrauch ging deutlich zurück

Allerdings liegen die Fahrleistungen des 320 PS starken Dreiliters auf dem Niveau des Vorgängers, während der Verbrauch um 21 Prozent zurückgeht. Dafür steigt die Leistung des V8-Motors im 750i von 407 auf 450 PS, und der feudale 544-PS-Zwölfzylinder des 760i wird nicht auf dem Altar des Downsizings geopfert. Auch Audi und Mercedes behalten ihre Zwölfender im Programm, vor allem wegen der Nachfrage aus den arabischen Ländern, aus China, den USA und Russland.

Abstand vom Hybridmodell zum Diesel verringert

War das Hybridmodell des BMW 7er bislang mit seinem starken V8- und seinem schwachen Elektromotor allenfalls ein grünes Feigenblatt, taugt der Teilzeitstromer jetzt zumindest in Ländern ohne Diesel-Affinität zum Sparmodell. Denn mit dem Wechsel auf einen Sechszylinder und eine stärkere Elektromaschine sinkt zwar die Systemleistung um fast 100 auf 356 PS, doch geht damit ein um fast drei auf 6,8 Liter sinkender Normverbrauch einher. So ist der Hybrid jetzt mit gut einem Liter Benzin weniger zufrieden als das Basismodell, und der Abstand zum Diesel ist nun nicht mehr ganz so eklatant.

Während die Ingenieure den 7er sportlicher und sparsamer gemacht haben, wollten ihn die Programmierer vor allem schlauer machen und starten eine groß angelegte Multimedia-Offensive. Das neue Infotainmentsystem bietet nicht nur 3-D-Grafiken und einen einfacheren Zugang zu den Navigationsoptionen, sondern erfasst E-Mails jetzt auch als Diktat.

Flachbildschirme kosten extra

Und selbst im Fond schweben nun (gegen Aufpreis) große Flachbildschirme an den Rücklehnen der Vordersitze. Dazu schwirren noch mehr Schutzengel und elektronische Helfer um den Fahrer herum: Die LED-Scheinwerfer können aufblenden, ohne den Gegenverkehr zu stören, und sie blinken Fußgänger am Fahrbahnrand an, bevor der Fahrer sie im Lichtkegel erkennt. Der Tempomat führt souverän durch den Stop-and-go-Verkehr, und wie bei Mercedes wurde eine Müdigkeitswarnung für den Fahrer eingebaut.

Statt konventioneller Instrumente gibt es hinter dem Lenkrad des überarbeiteten 7er einen frei konfigurierbaren Bildschirm. Gut, nicht ganz frei. Denn eines bleibt immer zu sehen: der Tacho, groß und rund. Selbst in einem rollenden Supercomputer ist er ein Symbol dafür, dass man bei BMW das Fahren nicht ganz vergisst.


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