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300 Milliarden fehlen

Bundesbank rechnet die Deutschen arm

Von Karsten Seibel
Veröffentlicht am 24.05.2012Lesedauer: 3 Minuten

Den privaten Haushalten fehlen laut Bundesbank plötzlich fast 300 Milliarden Euro. Das Geldvermögen erreichte 2011 angeblich einen Rekordwert – obwohl die Statistik eine niedrigere Zahl ausweist.

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Den Spruch kennt jeder und jeder nimmt ihn mehr oder weniger achselzuckend hin. Auf die Gefahren wird schließlich schon in der Schule hingewiesen.

Allerdings gibt es Quellen, da gehen die Bürger davon aus, dass die veröffentlichten Zahlen der Wirklichkeit zumindest ganz, ganz nahe kommen. Das Statistische Bundesamt gehört dazu und auch die Deutsche Bundesbank.

Doch ausgerechnet die Deutsche Bundesbank musste bei der Frage nach dem Vermögen der Deutschen nun eingestehen, dass sie jahrelang daneben lag. Die Mathematiker am Hauptsitz in Frankfurt haben noch einmal nachgerechnet und plötzlich fehlen den privaten Haushalten knapp 300 Milliarden Euro – allerdings nur rein statistisch, wie die Hüter des Geldes versichern.

2011 reicher geworden

Laut Bundesbank sind die Deutschen im vergangenen Jahr sogar reicher geworden. Man dürfe die aktuell veröffentlichten Ergebnisse nur nicht mehr mit Angaben in früheren Pressenotizen vergleichen.

Um dies zu verstehen, lohnt doch noch einmal ein Blick zurück. Vor einem Jahr hatte auch "Welt Online" unter Berufung auf die Bundesbank berichtet, dass das Geldvermögen der Privathaushalte 2010 auf den Rekordwert von 5000 Milliarden Euro gestiegen sei, genau auf 4933 Milliarden Euro.

Nun verschickte die Bundesbank eine Pressemitteilung, nach der die privaten Haushalte ein Jahr später, also Ende 2011, über ein Geldvermögen in Höhe von 4715 Milliarden Euro verfügten. Das ist eindeutig weniger als Ende 2010. Dennoch soll es mehr sein?

Geänderte Datengrundlage

Aus Sicht eines Statistikers fällt die Antwort einfach aus. Die Datengrundlage hat sich geändert. Die Gesamtsumme setzt sich aus vielen Beträgen zusammen, diese trägt die Bundesbank selbst aus unterschiedlichen Quellen zusammen.

Dazu gehört wie viel die Menschen auf ihrem Girokonto haben, wie viel auf dem Sparbuch, wie viele Aktien sie halten, wie viele Investmentfonds im Depot liegen, welche Ansprüche gegenüber Versicherern bestehen. "Für die Bereiche festverzinsliche Wertpapiere, Aktien und Investmentzertifikate können wir seit dem Vorjahr auf eine breitere und verlässlichere Datenbasis zurückgreifen", heißt es von Seiten der Behörde.

Andere Quellen, andere Zahlen, so einfach ist das. Aus Sicht der Bundesbank besteht kein Grund zur Kritik. Zumal die Statistiker ganz ordentlich auch noch einmal die Zahlen der vergangenen Jahre auf Grundlage der neuen Datenbasis gerechnet haben.

Und siehe da: Ende 2010 verfügten die Haushalte nicht mehr über 4933 Milliarden Euro, wie einst behauptet, sondern lediglich über 4658 Milliarden Euro – fast 300 Milliarden Euro weniger. Rein statistisch, wie gesagt. Das ist eindeutig nicht so viel wie die 4715 Milliarden Euro von Ende 2011, demnach waren die Deutschen tatsächlich noch nie so reich wie heute.

Mehr Geldvermögen

Auch wenn am Ende das Gefühl bleibt, dass beide Zahlen weit von der Realität der Vermögensverhältnisse der Deutschen entfernt sein könnten, hier für alle Zahlenliebhaber die Veränderungen wichtiger Einzelpositionen auf dem Weg hin zu den 4.715 Milliarden Euro – laut Bundesbank, laut neuer Berechnungsmethode.

Das reine Geldvermögen wuchs 2011 um 149 Milliarden Euro, dem standen Kursverluste in Höhe von 92 Milliarden Euro gegenüber. Den größten Teil ihres Geldes vertrauten Privatleute erneut den Banken an, bei denen die Einlagen um 67 Milliarden Euro zunahmen.

Täglich fällige Sichteinlagen stiegen um 40 Milliarden Euro. Bei Aktien gab es ein Plus von 14 Milliarden Euro, während Investmentzertifikate einen Abfluss von 15 Milliarden Euro verzeichneten. Die Ansprüche gegenüber Versicherern legten um 48 Milliarden Euro zu. Dem Geldvermögen standen laut Statistik Schulden von 1550 Milliarden Euro gegenüber. Der Vergleichswert von Ende 2010 in Höhe von 1534 Milliarden Euro wurde nachträglich übrigens nur um zwei Milliarden heruntergesetzt.


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