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Late Night

Anne Will und die fiesen Euro-Bösewichte

Von Paul Wolff
Veröffentlicht am 24.05.2012Lesedauer: 4 Minuten
Anne Will
Oskar Lafontaine bei Anne Will: "Die Haupterpresser sind die Bankhäuser"
Quelle: NDR/Wolfgang Borrs/NDR Presse und Information/.

Sparen? Wachsen? Beides zusammen? Anne Will suchte nach Wegen aus der Euro-Krise. Dabei wurde schnell deutlich, dass es offenbar eine Menge Bösewichte gibt, die dem Euro und Europa schaden wollen.

Von Stephen King, dem Altmeister der Horrorliteratur, gibt es ein sehr dickes Buch mit dem Titel "The Stand - Das letzte Gefecht". Im Kern geht es in diesem Werk um den ultimativen Kampf des Guten gegen das Böse.

Am Ende siegt das Gute, aber interessanter ist eigentlich, dass im Verlauf der Geschichte nie ganz klar ist, wer eigentlich zu den Guten gehört und wer zu den Bösen.

Als Anne Will in ihrem Late Night Talk nun titelte "Das letzte Euro-Gefecht" und als Protagonisten "Spar-Angie" und "Spendier-François" präsentierte, fühlte man sich fast ein bisschen wie bei Stephen King. Durch zwei Politiker wurden zwei unterschiedliche Herangehensweisen an die Euro-Schuldenkrise personalisiert und ihre Meinungsverschiedenheit als Schlacht dramatisiert.

Angela Merkel steht weiterhin - vor allem mit Blick auf Griechenland - für einen rigorosen Sparkurs um die Krise in den Griff zu bekommen, François Hollande will das Sparpaket mit einem Wachstumspaket verknüpfen und durch neue Schulden die Wirtschaft in der Euro-Zone ankurbeln. Außerdem setzt er sich für Euro-Bonds ein, also Staatsanleihen, die von allen Ländern gemeinschaftlich ausgegeben werden.

Der Medienhype um Hollande und Merkel

Doch wer ist in diesem Spiel der Böse? Gegen wen muss gekämpft werden, damit am Ende das Gute siegt, also die Krise in den Griff bekommen wird? Und darf einer der beiden in diesem Kampf Schwäche zeigen und von seiner Position abrücken?

"Es geht hier nicht um eine einzelne Person", stellte Finanzexperte Dirk Müller gleich zu Beginn fest. Man habe es bei der Schuldenkrise mit einer Situation zu tun, die niemand zuvor erlebt habe und sowohl von den Banken als auch den politischen Beratern kämen komplett unterschiedliche Ansagen. "Es gibt hier keinen Königsweg".

Unterstützung fand Müller in dieser Einschätzung von dem Schriftsteller Hans Christoph Buch. Die Konfrontation von Merkel und Hollande sei ein "Medienhype". Beide würden über kurz oder lang von ihren "markigen Ankündigungen" Abstriche machen und dann irgendwie "weiterwursteln". Politik löse nun mal keine Probleme, sondern ersetze sie lediglich durch andere.

Ist das Böse also nicht in der Person Merkel oder Hollande zu suchen, sondern in der (herrschenden) Politik allgemein? Und ist es nicht ein wenig billig mal wieder "die Politik" für alles verantwortlich zu machen?

Das Problem sind die Parteien in Griechenland

"Politik ist das Formulieren von politischen Zielen", sagte der Journalist Michalis Pantelouris und warf dann die Frage auf, warum bisher von der Politik nie das explizite Ziel formuliert wurde Griechenland zu retten. Haben die europäischen Regierungen an dieser Stelle versagt? Haben sie die Griechenland-Rettung zu verzagt vorangetrieben und damit ganz Europa immer weiter in die Krise getrieben?

Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) widersprach an dieser Stelle vehement. Es habe durchaus viele Hilfsprogramme für Griechenland gegeben, das Problem seien eher die alteingesessenen griechischen Parteien, die in ihrer jahrzehntelangen Regierungszeit Strukturreformen versäumt und damit die heutigen Probleme zu verantworten hätten.

In diesem Punkt bekam sie von der Runde einhellig Unterstützung. Geld, das nach Griechenland überwiesen werde, würde "versickern", so Müller. Es brauche deshalb eine neue Regierung, die dafür sorge, dass das Geld auch dort ankommen, wo es gebraucht wird. Hans Christoph Buch verglich die Situation sogar mit der Diskussion über Entwicklungshilfe. Griechenland sei momentan ein "Fass ohne Boden", in dem die Strukturreformen nicht in Gang kämen.

Der Bösewicht steht fest

Es schien als hätten sich nun alle auf einen Bösewicht geeinigt. Die korrupte Ex-Regierung ist schuld. Doch so einfach wollte es Oskar Lafontaine, der Fraktionschef der Linken im Saarland, seinen Gesprächspartnern nicht machen. "Die Haupterpresser sind die Bankhäuser", kam es plötzlich aus seiner Ecke. "Solange die Banken nicht an die Kette genommen werden, schlittern wir von einer Krise in die nächste".

Diese Neuzuweisung des Bösen hielt aber nur wenige Sekunden, da Kramp-Karrenbauer sofort einschritt. "Nur die Banken verantwortlich zu machen, ist zu kurz gesprungen", so die Ministerpräsidentin. Konsum auf Pump sei die Haltung, die sich ändern müsse.

Fast war man froh, dass die Sendung sich an diesem Punkt langsam dem Ende zuneigte, denn wo da in knapp 60 Minuten das Böse überall verortet wurde, war schon beachtlich: In der Politik, bei den griechischen Regierungsparteien, bei den Bankhäusern und in der westlichen Konsumhaltung. Was noch fehlte war ein Urteil über die Euro-Bonds.

Müller stellte sie, ohne zu zögern, auf die Seite des Bösen. "Wir gründen damit die Vereinigten Schulden von Europa", so Müller. Es könne nicht sein, dass man füreinander hafte, aber keinen Einfluss aufeinander nehmen könne. Anders sah das Lafontaine. Euro-Bonds würden niedrigere Zinsen für die Krisenländer bedeuten und das sei im Endeffekt auf jeden Fall billiger "als der Zirkus, der jetzt läuft". Auch hier gab es letztlich keine Einigkeit.

Und so war man am Ende eigentlich wieder bei Stephen King. Dass das Gute gewinnen soll, darin sind sich alle einig, was aber gut und was schlecht ist, darüber muss noch einmal abschließend gesprochen werden.


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