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"Tatort"

Lena Odenthal und der gruselige Waldkindergarten

Von Torsten Thissen
Veröffentlicht am 13.05.2012Lesedauer: 2 Minuten

Im neuen "Tatort" wird Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) im Wald entführt. Doch was nach einem spannenden Thriller klingt, wirkt am Ende wie ein orientierungsloser Kindergarten auf Exkursion.

Dem Wald ist nicht zu trauen, dem deutschen Wald erst Recht nicht, das wussten schon die Römer. Eigentlich braucht man nicht viel mehr, damit es gruselig wird: Dunkelheit, wilde Tiere, plötzlich einsetzender Regen, undefinierbare Geräusche, ein Knacken im Unterholz und Lena Odenthal. Denkt man so.

Die Geschichte des neuen SWR-Tatorts ist schnell erzählt: Odenthal kommt von einem Gerichtstermin, wird von Kopper zu einer Leiche geschickt, die eine Pilzsammlerin am Fuße des Teufelsfelsen, mitten im Pfälzer Wald gesehen haben will.

Hölzern durch die Baumreihen

Lena stapft los, findet keine Leiche, stattdessen knallt ihr jemand einen Ast vor den Kopf. Als sie wieder aufwacht, ist sie in der Hand einer Gruppe jugendlicher Straftäter. Die sind auf der Flucht, nachdem ihre Resozialisierungsmaßnahme ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist:

Zumindest ist ihr Betreuer ist tot, sie verscharren ihn und nehmen Odenthal als Geisel mit, was sie noch bereuen werden, soviel weiß man als Zuschauer, der Lena Odenthal kennt.

Derweil ist Mario Kopper mit der Suche nach seiner Kollegin beschäftigt, stakst hölzern durch die Baumreihen, schnauzt einen Staatsanwalt an, bemüht einen Hubschrauber, was immerhin viele hübsche Baumbilder von oben liefert. „Der Pfälzer Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands“, erfährt man.

Genug gequatscht, Abmarsch

Ah ja, schön. Und was macht Lena so? Die klettert, läuft, versteckt Handys (kein Netz) und erzählt ihren Jungs, dass sie mit Neun noch ins Bett gemacht hat, weil sie von ihrem saufenden Vater geschlagen wurde. Ihr Bruder bekam auch was ab, schlug später aber seine Frau, weshalb sie Polizistin wurde.

Die Jungs wollen dann auch schnell weiter. Genug gequatscht, Abmarsch. So geht das 90 Minuten, Lena schaut entschlossen, traurig, genervt, aber durchaus wohlwollend, denn bedrohlich wirken die Jungs ja wirklich nicht. Orientierungslos eher, wenn sie so mit dem Kompass herumfuchteln, und da ist auch schon das Problem dieses Films: Die Gruppe wirkt ein bisschen wie ein Waldkindergarten auf Exkursion.

Spannung, Druck – Fehlanzeige. Odenthal wird nicht einmal richtig schmutzig. Vor zwei Jahren verirrte sich ihr Kieler Kollege Borowski in den finnischen Wäldern.

Hier machte die Natur Angst, Borowski war hilflos, verzweifelt, am Ende beinahe tot. Der Pfälzer Wald hingegen ist an diesem Sonntag nur idyllische Kulisse. Und gruselig sind höchstens die Dialoge.

"Tatort – Der Wald steht schwarz und schweiget", Sonntag, 13. Mai 2012 um 20.15 Uhr, ARD


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