Eine kleine Bibliothek des Wissens
Die Mutter von Claudia Ehrenstein hat die Heftchen-Reihe "Lux Lesebogen" in den 1950er-Jahren akribisch gesammelt – ganz zur Freude der Tochter. Das Konzept ist modern geblieben. Inzwischen bieten mehrere Verlage ähnliche Buchreihen an.
Groschenromane sind nichts für junge Mädchen. Sie sollten anständige Bücher lesen. So dachte mein besorgter Großvater Anfang der 50er Jahre und war hocherfreut, als seine Tochter „Lux Lesebogen“ abonnieren wollte. Ihr Physiklehrer hatte die lehrreiche Heftchen-Reihe zur Ergänzung des Unterrichts empfohlen.
Fortan kam alle vierzehn Tage per Post ein Lesebogen ins Haus. Er kostete nur 25 Pfennige, war 10,5 mal 15 Zentimeter groß, 32 Seiten stark und behandelte jeweils ein Thema aus Natur, Technik oder Kultur: Es ging um Hubschrauber, Erdöl und Raketen, um Pinguine, Elche und Mauersegler, um Mozart, Siemens und Nobel. Abenteuerliche Reisen führten in die grüne Hölle am Amazonas und ins Tal der Könige, mit dem Eisbrecher ging es durch die Nord-Ost-Passage und mit 40 PS rund um die Erde.
Meine Mutter hat diese Heftchen akribisch gesammelt und fehlende Bände nachbestellt; einige sind sogar doppelt vorhanden, weil auch mein Vater früher ein begeisterter Lesebogen-Leser war. Ich kann mich erinnern, in dem Karton mit den Lesebogen gern gestöbert zu haben. Das Bändchen über die Dinosaurier hatte es mir dabei besonders angetan. Noch heute verwahren meine Eltern die Sammlung von Lesebogen in ihrem Bücherregal.
Die Idee zu der Lesebogen-Reihe hatte einst der Verleger Sebastian Lux. In Murnau bei München gab er zwischen 1946 und 1964 insgesamt rund 400 Bändchen heraus und schuf so eine „Kleine Bibliothek des Wissens“. Die Hefte sind zwar vergilbt, das Konzept aber ist modern geblieben. Inzwischen bieten mehrere Verlage ähnliche Buchreihen an. Viele der Themen finden sich bereits in den Lux-Lesebogen – nur den Klimawandel hat es damals offensichtlich noch nicht gegeben.