Prototype 2: Schlechtgelaunter Flieger
Angespielt "Prototype 2" = Prolotype
Ein Kind auf einer Schaukel, eine Frau, die von einem Ausflug in einen Vergnügungspark erzählt, ein Mann, der sagt, dass er bald zu Hause ist. Die Einstimmung auf "Prototype 2" möchte schnell klar machen: Hier ist eine nette kleine Familie, Frau und Kind in New York, Mann im Krieg. Das sind die Guten. Dann wird ein Virus freigesetzt, der Mann kommt nach Hause, Frau und Kind sind tot. Und er ist mächtig sauer.
Das zumindest möchte uns die nächste Einstellung sagen. In der sieht man ihn in einem Panzer, der durch ein zerstörtes New York fährt. Mit einem Messer macht er sich die Fingernägel sauber. Er will den Schuldigen finden. Der Panzer wird angegriffen. James Heller, so heißt der Mann, überlebt. Er wird mit dem Virus infiziert und hat auf einmal Superkräfte, mit denen er erst einmal das Labor der Bösen in Schutt und Asche legt, um dann Häuserwände hochzulaufen, im Gleitflug über die Stadt zu schweben und Gegner durch die Gegend zu schleudern - egal ob sie zu Fuß unterwegs sind oder in einem Fahrzeug. Das Spiel ist auf fast beiläufige Weise äußerst brutal und hat in Deutschland keine Jugendfreigabe erhalten.
Mit seinem spielerischen Grundprinzip ähnelt "Prototype 2", dessen Vorgänger in Deutschland wegen exzessiver Gewaltdarstellung gar nicht erst erschienen ist, Spielen wie denen der "Infamous"-Reihe. Auch darin darf der Held auch in einer offenen Spielwelt großen Unfug mit Superkräften treiben. "Prototype 2"allerdings zeichnet sich durch noch größere Humorlosigkeit aus. Alle sind wahnsinnig ernst und betroffen - oder vielmehr: das, was sich die Entwickler darunter vorstellen.
James Heller ist vor allem cool, er sagt immerzu Dinge wie "Yeah" oder auch "Hell Yeah", und manchmal flucht er fürchterlich. Er ist der Prototyp des nichtssagenden und unsympathischen Spielehelden, wie "Duke Nukem" ohne Witz, und der Hauptgrund, warum ich nach einer Stunde nicht ganz traurig darüber bin, aus dem Spiel auszusteigen. Die anderen Gründe sind die weiteren Figuren im Spiel, wie James Heller Abziehbilder, wandelnde Klischees, lieblos aber vielleicht zielgruppengerecht gestaltet. Junge, sehr schlecht gelaunte Männer sollen das hier toll finden, hat man das Gefühl.
Wer darauf verzichten kann, eine gute Geschichte erzählt zu bekommen, kein Problem damit hat, einen der typischen Spiel-Marines zu steuern, wer gerne die Dächer einer Stadt mit nahezu völliger Bewegungsfreiheit erkunden möchte und gern Dinge in die Luft jagt, kann mit "Prototype 2" seine Freude haben. Alle anderen sollten vorsichtig sein.
Das sagen die anderen:
Die Fachpresse ist mit Blick auf "Prototype 2" gespalten. Für die einen ist es wichtig, große spielerische Freiheit zu haben, egal wie hanebüchen Geschichte und Inhalt sind. Sie finden "Prototype 2" gut. Andere sind vorsichtiger und kritisieren das Missionsdesign als uninspiriert, weil sich viele Aufgaben ähneln. Besonders kritische Stimmen verdammen die stereotype Story, die blassen Charaktere und ein langweiliges Design.
"Prototype 2" von Activision Blizzard für Xbox 360, Playstation 3. PC-Version folgt Ende Juli 2012. Ca. 50-60 Euro. Keine Jugendfreigabe.