Infiniti FX 30d: 2,2 Tonnen Exotik
Autogramm Infiniti FX 30d Selten so gefahrn'
DER ERSTE EINDRUCK: Endlich mal ein SUV, an dem man sich noch nicht satt gesehen hat. Was daran liegt, dass man das Auto nur höchst selten zu Gesicht bekommt. Die jetzt vorgenommenen Änderungen am Infiniti FX - etwa eine neue Frontschürze - bemerken also nur Insider. Insgesamt sieht der fast fünf Meter lange SUV mit langer Haube, flachem Aufbau und schrägem Heck dynamischer aus als Porsche Cayenne oder BMW X6. Und so fährt er sich auch. Mit dem drei Liter großen V6-Diesel ist der Antritt gewaltig, in 8,3 Sekunden spurtet die Fuhre auf Tempo 100. Die Maschine dreht dann mit kernigem Sound bis weit über 5000 Touren. Agil ist das Trumm übrigens auch, nicht zuletzt dank der Hinterachslenkung. Die schlägt die Räder zwar nur um maximal ein Grad ein - doch bei flotter Fahrt reicht das schon, um dem Wagen ein Gefühl von Leichtigkeit zu geben.
DAS SAGT DER HERSTELLER: Der FX sei die "Ikone von Infiniti", sagt Vertriebschef Guillaume Pelletreau. Das Auto habe der Marke ein Gesicht gegeben und wesentlichen Anteil daran, dass Infiniti überhaupt in den Zulassungstabellen auftauche. Zwei Drittel der rund tausend Verkäufe in Deutschland entfallen auf den Geländewagen, mehr als 80 Prozent davon auf die Variante mit Dieselmotor. Insgesamt setzte die Marke in Europa im letzten Geschäftsjahr 12.500 Autos ab; weltweit waren es knapp 150.000.
Infiniti würde gern sein Nischendasein beenden - die Partnerschaft, die der Mutterkonzern Renault-Nissan mit Mercedes geschlossen hat, soll dazu beitragen. Denn dadurch erhält Infiniti Zugriff auf vernünftige Vierzylindermotoren sowie auf die Plattform von A- und B-Klasse. Auf dieser Basis soll in den nächsten drei Jahrendas erste Kompaktmodell der Marke entwickelt und dann vom österreichischen Montagespezialisten Magna gebaut werden. Vorher noch wird die Neuauflage der G-Serie mit Motoren von Mercedes debütieren sowie ein Infiniti-Elektroauto auf Basis des Nissan Leaf. Infinitis Expansionsplan sieht vor, dass bis 2016 weltweit eine halbe Million Autos verkauft werden. Das erscheint derzeit allerdings noch etwas überambitioniert.
DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Auch ohne die Schützenhilfe von Mercedes kann Infiniti ordentliche Autos bauen. Das Ambiente des FX ist vielleicht ein bisschen schwülstig, aber so, wie das Interieur gemacht ist, muss sich das Auto nicht hinter europäischen Nobelhobeln verstecken. Ahornhölzer, gesteppte Lederpolster, Schalter aus gefrästem Aluminium und Schaltwippen aus Magnesium - das fühlt sich gut an. Und die Ausstattung ist konkurrenzlos: Xenonlicht, klimatisierte Ledersitze, 20-Zoll-Räder, Rückfahrkamera, Schiebedach und ein schlüsselloses Zugangssystem - alles, was bei Mercedes & Co. richtig ins Geld geht, ist bei Infiniti Standard.
DAS MUSS MAN WISSEN: Weil bei der Modellpflege des FX nur ein paar Kunststoffteile geändert wurden, bleibt der Preis gleich. Die Diesel-Variante kostet ab 57.350 Euro; daneben gibt es ab 58.000 Euro aufwärts einen V6-Benziner mit 3,7 Litern Hubraum und 320 PS, sowie ein Modell mit V8-Motor und fünf Liter Hubraum sowie 390 PS, das allerdings 74.900 Euro kostet. Noch nicht genug? Dann heißt es schnell sein und einen der 50 für Europa reservierten "FX by Sebastian Vettel" bestellen. Dieser Typ kostet zwar mehr als 120.000 Euro, doch ist er - angeblich unter tatkräftiger Mithilfe des Formel-1-Weltmeisters und Infiniti-Werbepartners - auch üppig aufgerüstet: unter anderem mit Anbauteilen aus Karbon, einem strammeren Fahrwerk und 30 PS mehr Leistung.
DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Vor allem, wie viele Leute uns während der Testfahrt auf den Wagen angesprochen haben - der FX fällt offenkundig auf. Und noch mehr reckten den Daumen oder blickten dem Auto neugierig hinterher. Sowas ist uns in einer Mercedes M-Klasse, einem Porsche Cayenne oder einem BMW X6 schon lange nicht mehr passiert.